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Es war einmal ...




oder “Wie eine Mistlege sich ein neues Leben erträumte“

 

Installation von Helene Keller und Daniela Senn


Es war einmal eine Mistlege, die war mit ihrem Leben sehr unzufrieden. Sie war vollgefüllt mit Dung und Stroh. Die Leute, die vorbeigingen, rümpften alle ihre Nase. „Pfui!“ riefen sie. „Das stinkt!“ Das war der Mistlege gar nicht recht. Sie hätte es so gern gehabt, dass sich ein paar Menschen neben ihr unterhalten hätten – sie war nämlich sehr neugierig – oder gar geküsst. So aber liefen alle nur schnell an ihr vorüber und sagten „Pfui!“. Das machte sie sehr, sehr traurig, und viele Tränen tropften in den fruchtbaren Boden.
 
Da begann die Mistlege sich ein neues und ganz verändertes Leben zu erträumen. Sie schloss die betonenen Augen und dachte sich den Mist, den sowieso niemand mehr brauchte, aus ihrer Umfriedung hinaus. Sie träumte sich stattdessen voll von Blumen und wohlriechend und grün. Und als sie nach einem langen Schlaf aufwachte, rankte sich wirklich wilder Wein durch ihr leeres Gemäuer. Edle Rosen und bunte Blumen wuchsen aus ihren Ritzen. Da war die Mistlege sehr glücklich. „Dass ich mich auf meine alten Tage in einem so schönen, neuen Kleid zeigen darf“, dachte sie.
 
Und heute noch ist sie ein Beispiel dafür, dass Träume wahr werden können, und erfreut sich daran, wenn ab und zu ein paar Menschen bei ihr stehen bleiben. „Sieh nur, die Blumen“, sagen sie. Und: „Hier duftet es aber gut!“ Manche verweilen sogar noch ein bisschen länger, wechseln ein paar Worte und genießen den lauen Sommerwind, der ihnen um die Nase streicht.
 
Christine o.Ehlinger


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copyright by Helene Keller